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HEUTE-Umfrage: Politiker-Ranking Dezember 2025

  • 19. Dez. 2025
  • 10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Jan.

Politiker-Ranking Dezember 2025
Politiker-Ranking Dezember 2025

Online-Artikel Heute



Das neue "Heute" -Politbarometer ist da. Von der Spitze lacht weiterhin FPÖ-Chef Herbert Kickl. Aber dahinter hat es viele Rochaden gegeben.


Brandaktuell für "Heute" hat "Unique Research"- Meinungsforscher Peter Hajek das neue Polit-Barometer erstellt. Dafür fragte er 500 Österreicher ab 16 Jahren, welche Politiker ihnen in den vergangenen 14 Tagen positiv oder negativ aufgefallen sind ( maximale Schwankungsbreite ±4,4 Prozent ). Das sind die spannenden Ergebnisse:


Kickl baut ganz leicht ab, ist aber weiter Erster

FPÖ-Chef Herbert Kickl konnte seine Führung aus dem November verteidigen. Er weist 27 Prozent Positiv- und 41 Prozent Negativnennungen auf. Wermutstropfen: Sein Negativwert ist um drei Prozentpunkte gestiegen. Sein Positivwert ist dagegen gleich geblieben.


Stocker gesundheitlich und in Umfrage erholt

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) war während seiner gesundheitsbedingten Abwesenheit im Ranking auf Platz sieben zurückgefallen. Jetzt hat er sich nicht nur körperlich wieder erholt, sondern auch bei seinen Persönlichkeitswerten. 24 Prozent Positiv- und 31 Prozent Negativ-Nennungen ergeben einen starken Platz zwei.


Marterbauer und Holzleitner stark

Minimal verloren hat Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). Er ist vom zweiten auf den dritten Platz gerutscht. Wie auch schon im November halten sich bei ihm die Positiv- und Negativ-Nennungen die Waage. In diesem Bereich ist nur Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) mit plus einem Prozent besser. Sie liegt gesamt auf Rang acht (November Platz elf).


Tanner rückt vor

Verbessert hat sich Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). Sie liegt nach Platz sechs im November bereits auf Platz vier, hat damit ihre Parteikollegin, Integrationsministerin Claudia Plakolm überholt.


Meinl-Reisinger nicht mehr unter den besten Drei

Aus den Top Drei gefallen ist Neos-Chefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger . Sie ist 21 Prozent positiv, aber gleich 39 Prozent negativ aufgefallen (November: 22 zu 45 Prozent).


Gewessler fällt deutlich zurück

Der Höhenflug von Grünen-Chefin Leonore Gewessler scheint vorerst gestoppt. Vor einem Monat war sie im Ranking Vierte, jetzt ist sie nur mehr Elfte. Sie ist 15 Prozent positiv und satten 45 Prozent negativ aufgefallen. Das ist – gemeinsam mit SPÖ-Chef Andreas Babler – Minusrekord.


Minus-Mann Babler

Die desaströsen Negativ-Werte bescheren Babler im Ranking der Parteichefs nur den vorletzten Platz. Positiv ist er gerade einmal 16 Prozent der Befragten aufgefallen.


Pröll ist bester Staatssekretär

Von den sieben Staatssekretärinnen und -sekretären liegt Alexander Pröll (ÖVP) am besten. Seine 14 Prozent Positiv- und 22 Prozent Negativnennungen bedeuten insgesamt den zwölften Platz. Damit liegt er noch vor den Ministern Christoph Wiederkehr (Neos), Gerhard Karner (ÖVP), Peter Hanke, Anna Sporrer (beide SPÖ) und Norbert Totschnig (ÖVP).


Schellhorn-Absturz setzt sich fort

Der Absturz von Deregulierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) stürzt dagegen weiter ab. Er ist 39 Prozent negativ und zwölf Prozent positiv aufgefallen. Im November waren es "nur" 32 Prozent Negativnennungen. Kleiner "Trost" für ihn: Der Anteil der "Kenne ich nicht"-Antworten ist mit 21 Prozent verhältnismäßig gering.


Staatssekretärinnen kaum bekannt

Das Problem der niedrigen Bekanntheit haben alle vier Staatssekretärinnen, die auch den Abschluss des Barometers bilden. Ihre "Kenne ich nicht"-Werte liegen zwischen 49 und 52 Prozent – sind also massiv ausbaufähig …


Online-Artikel Heute



Die SPÖ steht erneut vor einer Personaldebatte: Soll Christian Kern gegen Andreas Babler antreten? Die parteiinternen Stimmen dafür werden lauter.


SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler war um den Jahreswechsel mit katastrophalen Umfragen konfrontiert. Im Dezember fragte "Unique Research" für "Heute", wer der beste rote Vorsitzende wäre. Ergebnis: Nur 17 Prozent sprachen sich für Babler aus, 33 Prozent nannten seinen Vorvorgänger Christian Kern. Nur bei den SPÖ-Wählern kam der ehemalige Traiskirchner Bürgermeister auf eine dünne Mehrheit von 45 zu 37 Prozent.


Christian Kern in Umfragen klar vor Andreas Babler

Am Wochenende veröffentlichte die "Kronen Zeitung" die Sonntagsfrage in zwei Varianten: die SPÖ mit Babler bzw. Christian Kern, die ÖVP mit Christian Stocker bzw. Sebastian Kurz. Ergebnis: Mit Babler kommt die SPÖ auf 18 Prozent, mit Kern aber auf 24 Prozent. Das Babler-Ergebnis wäre ein weiterer Absturz hinter die 21,1 Prozent bei der Nationalratswahl 2024. Kern würde das dagegen toppen.


"Babler ist Persona non grata"

Spätestens seitdem ist die Diskussion wieder entbrannt, ob nicht der Ex-Kanzler an die Parteispitze zurückkehren soll. "Wenn ihn die Partei bittet, wird er das tun", ist ein SPÖ-Insider im "Heute"-Gespräch überzeugt. Er glaubt, dass er bei einem Antreten gegen Babler gute Aussichten auf Erfolg hätte: "Babler ist in vielen Ländern und weiten Teilen der SPÖ mittlerweile Persona non grata."


"Autistisch"

Die Kritik in der Partei am Chef und seinem engen Umkreis ist massiv: "Sie reden nicht mit uns, nicht einmal hochrangige Funktionäre bekommen keine Termine", formuliert es einer. "Das ist schon fast autistisch", ein anderer. Zudem sei Babler "total beratungsresistent".


Länder befürchten Abwärtstrend durch Bund

Ein Grund dafür sei die Situation in den Ländern. So stehen etwa in Kärnten demnächst Wahlen an. Da geht es für die SPÖ um nichts weniger als den Landeshauptmann. "Zwischen drei und fünf Prozent des Wahlergebnisses in den Ländern hängt vom Trend im Bund ab", so ein hochrangiger Funktionär. "Es geht um eine Marginalisierung der SPÖ in den Ländern. Es ist die Angst da, dass es mit Babler noch weiter nach unten geht, dass er die Partei noch mehr kaputt macht."


Nur kleiner Zirkel um Babler

Viele hätten Babler auch nicht verziehen, dass es etwa bei den Pensionskürzungen oder beim Aufschnüren des Zwei-Jahres-Pakets für die Beamten keine Information seitens der Parteispitze gegeben habe. Es verenge sich auf einen ganz kleinen Zirkel um den Parteichef.


Gewerkschaftsspitze stützt SPÖ-Chef

Offen hinter Babler stehen derzeit nur mehr die Gewerkschaftsspitze, der Parlamentsklub und Teile der Wiener SPÖ. Aber selbst dort bröckelt die Unterstützung für den Niederösterreicher. Daher habe Kern bei einer Kandidatur auch gute Chancen: "Jeder, der am Parteitag antritt und passabel auftritt, gewinnt gegen Babler", prognostiziert ein anderer Parteiinsider.


Kein Kern-Kommentar

Was sagt eigentlich Kern selbst zu den Diskussionen? "Bitte um Verständnis, aber ich werde das nicht kommentieren", meint er auf "Heute"-Anfrage freundlich, aber bestimmt.


Showdown im Parteivorstand?

Fix ist jedenfalls: Allfällige Gegenkandidaten für Babler müssen vom Parteivorstand abgesegnet werden. Der tagt am 13. Februar …


Print-Artikel Heute


„Angst, dass Babler SPÖ weiter kaputtmacht“


SPÖ-Chef Babler war um den Jahreswechsel mit katastrophalen Umfragen konfrontiert. Als besten SPÖ-Chef sahen ihn im Dezember („Unique Research“ für „Heute“) nur 17 %. Christian Kern kam auf 33 %. In der „Krone“ verlor Babler gegenüber dem Vorvorgänger in der Sonntagsfrage klar.


Spätestens seitdem ist die Diskussion, ob der Ex-Kanzler an die Parteispitze zurückkehren soll, wieder voll entbrannt. „Wenn ihn die Partei bittet, wird er das tun“, sagt ein Insider zu „Heute“. Bei einem Antreten hätte er gute Chancen: „Babler ist in vielen Ländern und weiten Teilen der SPÖ mittlerweile Persona non grata.“


Scharfe Kritik gibt es auch am engsten Umfeld des Vizekanzlers. Der sei „schon fast au-tistisch“, so ein hoher Funktionär. Zudem sei Babler „total beratungsresistent“. In den Ländern gebe es die Angst, vom Bund nach unten gezogen zu werden – „und die Angst, dass Babler die SPÖ noch weiter kaputtmacht“.


Offen hinter Babler stehen derzeit nur noch die Gewerkschaftsspitze, der Parlamentsklub und Teile der Wiener Partei.


Kern selbst will ein mögliches Antreten auf „Heute“-Anfrage nicht kommentieren. Fix: Am 13. Februar tagt der Parteivorstand. Der muss allfällige Gegenkandidaten für Babler absegnen. Die SPÖ geht nicht von solchen aus


Online-Artikel


Schwarzer Imagewechsel, rote Überraschung, pinke Polarisierung


Analyse. In der Politik kommt es oft anders, als jeder denkt. Das zeigt sich auch an der Regierungsmannschaft, die in mehrfacher Hinsicht überraschte.


Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz bei Regierungsverhandlungen. Die Personalauswahl der Koalitionspartner wird nicht öffentlich kommentiert. Es wird hart gerungen, wer welche Ressorts besetzen darf, doch wer Minister oder Ministerin wird, ist nur Sache der jeweiligen Partei. Zurufe sind verpönt, selbst will man ja auch freie Hand, zumal an jener der Parteichefs ohnehin Teilorganisationen aus den eigenen Reihen zerren. Als jedoch Andreas Babler zur Überraschung vieler – auch in der eigenen Partei – Markus Marterbauer als Finanzminister nominierte, war der eine oder andere Akteur aus der schwarzen und pinken Sphäre nahe dem Gesetzesbruch. Der damalige AK-Ökonom galt als linker Ideologe. Dass so jemand die Budgetprobleme wird lösen können, gab die Fantasie in Kreisen von ÖVP und Neos nicht her.


Die Regierung hatte ihre erste Belastungsprobe, noch bevor sie wirklich Regierung war. Für ein paar Tage war aus eben diesen Kreisen kollektives Räuspern zu vernehmen, da und dort sogar ein Wehklagen unter Zusicherung der Vertraulichkeit. Doch Disziplin und Achtung vor dem ungeschriebenen Gesetz waren groß genug. Öffentliche Kritik gab es nicht.


ÖVP-Wähler als Marterbauer-Fans

Sprung in den Herbst: Kein Regierungspolitiker verfügt stabil über so hohe (oder eigentlich: über die am wenigsten schlechten) Vertrauenswerte wie der rote Finanzminister. Rund um den Budgetbeschluss im Mai ergab eine Umfrage von Unique Research sogar, dass die Wählergruppe, die Marterbauers Konsolidierungsbudget am wohlwollendsten aufgenommen hatte, ausgerechnet die ÖVP-Wähler waren. Der vermeintliche Ideologe erwies sich als Pragmatiker.


In den Himmel wächst Marterbauers Popularität allerdings auch nicht. Sie reicht aber, dass in seiner Partei Überlegungen angestellt werden, ob nicht vielleicht der Finanzminister neuer SPÖ-Chef werden könnte. Im März stellt sich Babler der Wiederwahl, Herausforderer wird es auf dem Parteitag nicht geben. Allerdings sind Unmut und Unruhe in der Partei anhaltend groß. Den Rollenwechsel vom Marktschreier zum Vizekanzler hat Babler zwar hinbekommen, an den Umfragewerten hat sich jedoch nichts geändert. Das sorgt für Nervosität.


Marterbauer hat, wie übrigens auch Ex-Kanzler Christian Kern , jegliches Interesse an der Parteiführung dementiert. Für ihn wird das Jahr 2026 ohnehin Herausforderung genug. Will er im Herbst ein gutes Budget vorlegen, muss er zum Nein-Sager der Nation werden. Das wird wohl auch Wünsche seiner eigenen Partei betreffen.


Seine öffentliche Bewertung ist zweifellos Beleg, dass in der Politik Erwartungsmanagement eine zentrale Rolle spielt, Vorschusslorbeeren oft kein Vorteil sind – und Expertise in der Bevölkerung anerkannt wird. Auch Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ), die zuvor Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichtshofs war und keine klassische Politikerin ist, kommt in Umfragen vergleichsweise gut weg. Allerdings hat sich Sporrer justizintern Zores eingehandelt. Die Vertretung der Richter sowie der Staatsanwälte protestierten nach einer Postenbesetzung in ihrem Ressort.


Eine solche sorgt, Jahre später, für das aktuell größte Personalproblem innerhalb der Regierungsparteien. August Wöginger muss ab 11. Februar doch vor Gericht. Der Klubchef ist für die ÖVP unersetzbar. Vom Parteichef abwärts erhält er für den Fall der Fälle bereits prophylaktisch Rückendeckung. Doch der Prozess wird eine größere Belastungsprobe für die Regierung, als es jetzt viele wahrhaben wollen, von der öffentlichen Dynamik im Fall eines erstinstanzlichen Schuldspruchs ganz zu schweigen. Dafür dürfte Kanzler Christian Stocker nach seiner OP-bedingten Auszeit eine Art Neustart gelungen sein. Als kalmierender Ruhepol war Stocker der personifizierte Gegensatz zur aufgeregten Anfangszeit dieser Koalition. Doch steht ein solches Image dem notwendigen Vorhaben großer Reformen entgegen. Ob das sanfte Update hin zu einem akzentuierten Profil mit Macherqualitäten langfristig funktioniert, wird sich weisen. Ende Jänner will die ÖVP eine große Kanzler-Rede inszenieren. Die Wirkmacht solcher Auftritte über die Parteigrenzen hinaus ist allerdings enden wollend. Das musste auch Vorgänger Karl Nehammer erfahren.


Fehlstart von Schellhorn

In Claudia Plakolm und Wolfgang Hattmannsdorfer hat die Volkspartei auch zwei schwarze Hoffnungsträger in die Regierungsmannschaft geholt. Beide verfügen über hochprofessionelle Social-Media-Auftritte, ihre Popularitätswerte halten mit der Zahl der Tweets und Postings aber noch nicht stand. Und in den Umfragen hängt sie auch Stocker ab. Die Landtagswahl in Oberösterreich 2027 könnte für die weitere Karriere der beiden wichtig sein. Je nach Ausgang könnte zumindest einen der beiden der Ruf ihres „Hoamatlands“ ereilen.


Beate Meinl-Reisinger polarisiert als Außenministerin.

Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger verfügt über doppelt so viele Follower wie Plakolm, allerdings ist größere Reichweite nicht immer positiv. Die Außenministerin polarisiert viel stärker als etwa Stocker, wie aus Daten von Unique Research für „Heute“ hervorgeht. Noch stärker ist dieser Effekt bei Staatssekretär Josef Schellhorn zu beobachten. Niemand hatte eine so große Reichweite im Netz, damals aber noch als chaotischer Koch und wütender Wirt. In seiner neuen Rolle als Bürokratiejäger legte Schellhorn einen Fehlstart hin. Er ist die Antithese zu Marterbauer: Bei ihm waren die Erwartungen hoch, sein Deregulierungspaket kam aber erst im Dezember. Weitere sollen folgen.


Print-Artikel


Über Fehlstarts und kleine Überraschungen


Wiener Parkett. In der Politik kommt es oft anders, als jeder denkt. Ein loser Blick auf die personellen Auf- und Absteiger in der Bundesregierung.


Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz bei Regierungsverhandlungen. Die Personalauswahl der Koalitionspartner wird nicht öffentlich kommentiert. Es wird hart gerungen, wer welche Ressorts besetzen darf, doch wer Minister oder Ministerin wird, ist nur Sache der jeweiligen Partei. Zurufe sind verpönt, selbst will man ja auch freie Hand, zumal an jener der Parteichefs ohnehin Teilorganisationen aus den eigenen Reihen zerren.


Als jedoch Andreas Babler zur Überraschung vieler Markus Marterbauer als Finanzminister nominierte, war der eine oder andere Akteur aus der schwarzen und pinken Sphäre nahe dem Gesetzesbruch. Der damalige AK-Ökonom galt als linker Ideologe. Dass so jemand die Budgetprobleme wird lösen können, gab die Fantasie bei ÖVP und Neos nicht her. Die Regierung hatte ihre erste Belastungsprobe, noch bevor sie wirklich Regierung war. Tagelang war ein kollektives Räuspern zu vernehmen, da und dort auch ein Wehklagen. Doch Disziplin und Achtung vor dem ungeschriebenen Gesetz waren groß genug. Öffentliche Kritik gab es nicht.


Sprung in den Herbst: Kein Regierungspolitiker verfügt stabil über so hohe (oder eigentlich: über die am wenigsten schlechten) Vertrauenswerte wie der rote Finanzminister. Rund um den Budgetbeschluss im Mai ergab eine Umfrage von Unique Research sogar, dass die Wählergruppe, die Marterbauers Konsolidierungsbudget am wohlwollendsten aufgenommen hatte, ausgerechnet die ÖVP-Wähler waren. Der vermeintliche Ideologe erwies sich als Pragmatiker.


In den Himmel wächst Marterbauers Popularität allerdings auch nicht. Sie reicht aber, dass in seiner Partei Überlegungen angestellt werden, ob nicht vielleicht der Finanzminister neuer SPÖ-Chef werden könnte. Im März stellt sich Babler der Wiederwahl, Herausforderer wird es auf dem Parteitag nicht geben. Allerdings sind Unmut und Unruhe in der Partei anhaltend groß. Den Rollenwechsel vom Marktschreier zum Vizekanzler hat Babler zwar hinbekommen, an den Umfragewerten hat sich jedoch nichts geändert. Das sorgt für Nervosität.


Marterbauer hat, wie auch Ex-Kanzler Christian Kern, Interesse an der Parteiführung dementiert. Für ihn wird das Jahr 2026 ohnehin Herausforderung genug. Will er im Herbst ein gutes Budget vorlegen, muss er zum Nein-Sager der Nation werden. Das wird wohl auch Wünsche seiner eigenen Partei betreffen.


Seine öffentliche Bewertung ist zweifellos Beleg, dass in der Politik Erwartungsmanagement eine zentrale Rolle spielt, Vorschusslorbeeren oft kein Vorteil sind – und Expertise in der Bevölkerung anerkannt wird. Auch Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ), zuvor Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichtshofs, kommt in Umfragen vergleichsweise gut weg. Allerdings hat sich Sporrer justizintern Zores eingehandelt. Die Vertretung der Richter sowie der Staatsanwälte protestierten nach einer Postenbesetzung in ihrem Ressort.


Eine solche sorgt auch für das aktuell größte Personalproblem innerhalb der Regierungsparteien. August Wöginger muss ab 11. Februar doch vor Gericht. Der Klubobmann ist für die ÖVP unersetzbar. Vom Parteichef abwärts erhält er für den Fall der Fälle bereits prophylaktisch Rückendeckung. Doch der Prozess wird eine größere Belastungsprobe für die Regierung, als es viele wahrhaben wollen, von der Dynamik im Fall eines erstinstanzlichen Schuldspruchs ganz zu schweigen.


Dafür dürfte Kanzler Christian Stocker nach seiner OP-bedingten Auszeit ein Neustart gelungen sein. Als kalmierender Ruhepol war Stocker der personifizierte Gegensatz zum aufgeregten ersten Halbjahr. Doch steht ein solches Image den notwendigen großen Reformen entgegen. Ob das sanfte Update hin zu einem akzentuierten Profil mit Macherqualitäten langfristig funktioniert, wird sich weisen. Ende Jänner will die ÖVP eine große Kanzler-Rede inszenieren. Die Wirkmacht solcher Auftritte über die Parteigrenzen hinaus ist allerdings enden wollend. Das musste auch Vorgänger Karl Nehammer erfahren.


In Claudia Plakolm und Wolfgang Hattmannsdorfer hat die Volkspartei auch zwei Hoffnungsträger in ihr Regierungsteam geholt. Beide verfügen über hochprofessionelle Social-Media-Auftritte – und über Ambitionen. Ihre Popularitätswerte halten mit der Zahl der Postings aber noch nicht stand. In den Umfragen rangieren sie hinter Stocker. Die Landtagswahl in Oberösterreich 2027 könnte für sie noch wichtig werden. Ob einen der beiden der Ruf des „Hoamatlands“ ereilt? Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger verfügt über doppelt so viele Follower wie Plakolm, allerdings ist größere Reichweite nicht immer positiv. Die Außenministerin polarisiert viel stärker als etwa Stocker, wie aus Daten von Unique Research für „Heute“ hervorgeht. Noch stärker ist dieser Effekt bei Staatssekretär Josef Schellhorn zu beobachten. Niemand hatte eine so große Reichweite im Netz, damals aber noch als chaotischer Koch und wütender Wirt. In seiner neuen Rolle als Bürokratiejäger legte Schellhorn einen Fehlstart hin. Er ist die Antithese zu Marterbauer: Bei ihm waren die Erwartungen hoch, sein Deregulierungspaket kam aber erst im Dezember. Weitere sollen folgen.


Erwähnungen in weiteren Medien

Online

Print

Kleine Zeitung

Neue Vorarlberger Tageszeitung


Auftraggeber: HEUTE

Methode: Online-Befragung

Zielgruppe: Wahlberechtigte ÖsterreicherInnen

Stichprobengröße: 500 Befragte

Maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse: +/- 4,4 %

Feldarbeit: 15. bis 18. Dezember 2025

 
 
 

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