HEUTE-Umfrage: Vertritt die SPÖ immer noch die Werktätigen?
- 30. Apr.
- 11 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Mai

Online-Artikel Heute
Schlechte Nachrichten für SPÖ-Chef Babler zum Tag der Arbeit. Eine große Mehrheit sieht seine Partei nicht mehr als Vertretung der Werktätigen.
Am 1. Mai feiert die SPÖ traditionell den "Tag der Arbeit". Aber vertritt die Sozialdemokratie tatsächlich noch die werktätige Bevölkerung? Das fragte "Unique Research" für "Heute" 500 Österreicher ab 16 Jahre (online, Befragungszeitraum 27. bis 29. April, maximale Schwankungsbreite ±4,4 Prozent).
Nächster Umfrage-Dämpfer für Babler
Die Ergebnisse sind ähnlich desaströs für Parteichef Andreas Babler wie die berühmte Sonntagsfrage – und zwar vor allem bei relevanten Wählergruppen.
Nur jeder Dritte hält SPÖ für Vertreterin des "kleinen Mannes"
Demnach halten nur mehr 33 Prozent die SPÖ für die Vertreterin der Anliegen der Arbeiter. Gleich 57 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Für 30 Prozent hat die Sozialdemokratie sogar "ganz sicher nicht" mehr den Vertretungsanspruch für diese Gruppe.
Selbst jeder fünfte Rote skeptisch
Wirklich überzeugt von ihrer Partei sind nur mehr die SPÖ-Wähler selbst. Obwohl: Auch in dieser Gruppe sagen 18 Prozent, dass die Roten "eher nicht" mehr die Vertretung der Werktätigen sind.
Anhänger der Grünen und Neos einigermaßen positiv, ÖVP-Wähler nicht
Bei den Anhängern der Grünen glauben 62 Prozent noch an diese typisch sozialdemokratische Rolle, 23 Prozent nicht. Bei Neos-Sympathisanten ist die Situation mit 47 Prozent zu 42 Prozent beinahe ausgeglichen. Deutlich schlechter ist das Bild bei Wählern der Volkspartei. Da halten nur 40 Prozent die SPÖ für die Vertreterin der sozialdemokratischen Anliegen.
Vernichtendes Zeugnis von FPÖ-Fans
Richtig desaströs ist das Image der Roten bei den Blauen. Von ihnen sind gleich 84 Prozent überzeugt, dass die SPÖ den Status der Vertreterin der arbeitenden Bevölkerung verloren hat. 63 Prozent der FPÖ-Wähler sagen sogar: Sie vertritt ganz sicher nicht die Werktätigen.
Geschlechter- und Bildungsunterschiede
Bei Männern ist das Arbeiter-Image der SPÖ etwas stärker als bei weiblichen Befragten. Dasselbe gilt für Befragte mit und ohne Matura. Vor allem letztere waren jahrzehntelang eine wichtige Wählergruppe für die Sozialdemokratie.
Werktätige glauben nicht an SPÖ als Vertreterin der Werktätigen
Ebenso besorgniserregend für Babler und Co.: Bei Personen zwischen 30 und 59 Jahren sind nur 32 Prozent der Meinung, dass die SPÖ noch die Rolle als Vertreterin der Werktätigen ausfüllt, 57 Prozent glauben das nicht (mehr).
Sozialdemokratie hat Pensionisten verloren
Noch schlimmer stellt sich das Bild bei Befragten ab 60 Jahren dar: 68 Prozent halten die SPÖ nicht mehr für die Vertreterin des "kleinen Mannes" oder der "kleinen Frau".
Wie beurteilt der Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek von "Unique Research" diese Umfrage? "Die SPÖ hält seit geraumer Zeit bei der Sonntagsfrage unter der 20-Prozent-Marke. Nur mehr ein Drittel der Bevölkerung sieht in der SPÖ die Vertretung der Werktätigen."
Experte Hajek: "Der SPÖ kam ihre klassische Wählergruppe, die Arbeiter, abhanden"
Das habe verschiedene Gründe: "Die Gesellschaft hat sich von der Industrie- zur Dienstleitungsgesellschaft gewandelt. Damit kam der SPÖ ihre klassischen Zielgruppe der Arbeiterinnen und Arbeiter abhanden. Der verbliebene Rest dieser Wählergruppe wanderte in den vergangenen Jahrzehnten in größeren Teilen zur FPÖ, die gut gebildeten Jüngeren zu den Grünen oder auch NEOS."
"Strukturkonservativer Wahlverein"
Sein Befund ist ernüchternd für die Roten: "Die Sozialdemokratie hat das Problem, dass sie sich hauptsächlich über ihre – sehr erfolgreiche – Vergangenheit definiert. Das zeigt sich jedes Jahr am 1. Mai. So wurde eine ehemals moderne und zukunftsorientierte Partei zu einem strukturkonservativen Wahlverein. "Umfrage: SPÖ ist nicht mehr Arbeiter-Partei
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Umfrage: SPÖ ist nicht mehr Arbeiter-Partei
„Vertritt die SPÖ immer noch die Anliegen der Werktätigen?“ Diese Frage zum morgigen Tag der Arbeit stellte Unique Research für „Heute“ 500 Österreichern. Das Ergebnis ist für Andreas Babler und Co ein Dämpfer:
Demnach glauben nur mehr 33 %, dass die Sozialdemokraten diesem Anspruch noch gerecht werden. 57 % sind gegenteiliger Meinung. Einzig die SPÖ-Wähler sind vom Image der Roten überzeugt, mit Abstrichen gilt das auch für Grün-Anhänger. Besonders desaströs ist das Bild der SPÖ bei FPÖ-Fans (u.). Während 37 % der Männer die SPÖ als Vertreter des „kleinen Mannes“ sehen, sind es bei Frauen nur 29 %. Image-Probleme hat die Partei ausgerechnet bei der Gruppe der Werktätigen zwischen 30 und 59 Jahren. Besonders schlecht ist das Bild bei Personen ab 60 und Pensionisten mit nur 25 bzw. 24 % Zustimmung Vertritt die SPÖ immer noch die Werktätigen?
Online-Artikel
Ausgerechnet zum 1. Mai zeigt eine neue Umfrage, wie weit die SPÖ von ihrer historischen Rolle entfernt ist. 57 Prozent der Österreicher sehen die Partei nicht mehr als Vertreterin der Werktätigen.
Die Kernzahl: 33 zu 57 Prozent
Im Auftrag von heute.at befragte das Meinungsforschungsinstitut Unique Research zwischen 27. und 29. April 500 Österreicher ab 16 Jahren (online, maximale Schwankungsbreite ±4,4 Prozent). Das Ergebnis ist eindeutig: Wie heute.at berichtete, halten nur mehr 33 Prozent die SPÖ für die Vertreterin der Anliegen der Arbeiter. 57 Prozent sind anderer Meinung – 30 Prozent davon sogar kategorisch: Sie sagen, die SPÖ vertrete die Werktätigen „ganz sicher nicht“ mehr.
Selbst Rote zweifeln – und Pensionisten sind verloren
Besonders heikel: Wie heute.at berichtete, sind sogar 18 Prozent der SPÖ-eigenen Wähler der Meinung, die Partei vertrete Werktätige „eher nicht“ mehr. Bei Befragten ab 60 Jahren – einst eine treue Kerngruppe – halten 68 Prozent die SPÖ nicht mehr für die Partei des kleinen Mannes. Bei den Werktätigen im Haupterwerbsalter zwischen 30 und 59 Jahren glauben nur 32 Prozent noch daran, 57 Prozent nicht.
Bei FPÖ-Wählern ist das Bild vernichtend: 84 Prozent sehen die SPÖ nicht mehr als Arbeitervertreterin, 63 Prozent sogar „ganz sicher nicht“. Einigermaßen positiv zeigen sich noch Grünen-Sympathisanten mit 62 Prozent Zustimmung. Bei NEOS-Anhängern ist es fast ausgeglichen: 47 zu 42 Prozent.
Experte Hajek: „Strukturkonservativer Wahlverein“
Meinungsforscher Peter Hajek von Unique Research liefert laut heute.at eine klare Diagnose: „Die SPÖ hält seit geraumer Zeit bei der Sonntagsfrage unter der 20-Prozent-Marke. Nur mehr ein Drittel der Bevölkerung sieht in der SPÖ die Vertretung der Werktätigen.“ Die Ursache sieht er im gesellschaftlichen Wandel: „Die Gesellschaft hat sich von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Damit kam der SPÖ ihre klassische Zielgruppe der Arbeiter abhanden. Der verbliebene Rest wanderte zur FPÖ, die gut gebildeten Jüngeren zu den Grünen oder NEOS.“
Sein Fazit laut heute.at ist schonungslos: „Die Sozialdemokratie hat das Problem, dass sie sich hauptsächlich über ihre sehr erfolgreiche Vergangenheit definiert. So wurde eine ehemals moderne und zukunftsorientierte Partei zu einem strukturkonservativen Wahlverein.“
Interview
Salzer Rebekka (ORF):
Im Studio begrüße ich Christoph Matznetter, Mitglied im Bundesparteipräsidium, Vorstand und als Nationalratsabgeordneter Sprecher für Wirtschaft, einen schönen Sonntag.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Einen schönen Sonntag, Zuseherinnen und Zuseher, und Ihnen natürlich auch.
Salzer Rebekka (ORF):
Da wurde also gefeiert am 1. Mai. Die SPÖ liegt in den Umfragen unter 20 Prozent, knappe 20 Prozent, so schlecht wie noch nie. Ist das wirklich ein Grund zum Feiern?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ich glaube, dass die Schwierigkeiten für Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nicht auf Österreich beschränkt sind – das brauchen Sie sich nur in Europa anzuschauen –, und ich glaube, dass die tieferliegenden Gründe durchaus solche sind, über die man gesondert sprechen muss. Ein wichtiger Teil ist, dass der Neoliberalismus in 40 Jahren einen Siegeszug angetreten hat und die Sozialdemokratie sich in vielen Ländern in einer Verteidigungshaltung befindet. Das heißt, sie muss Erreichtes absichern, damit es nicht gekürzt oder verschlechtert wird.
Das ist aber politisch nicht sehr sexy, nur in der Verteidigungsposition zu sein, und wie wir ja auch an unseren Budgetnöten sehen, fehlen die Mittel für offensive Maßnahmen, wie man sie aus der Vergangenheit kennt. Und dieses Dilemma macht es schwierig, dann alle zur Wahl zu bringen.
Dazu kommt noch eine Kleinigkeit: Wenn Sie sich die Wahlergebnisse bei Nationalratswahlen oder Landtagswahlen sowie bei der Arbeiterkammerwahl anschauen, werden Sie sehen, dass die Arbeiter völlig anders abstimmen. Der Grund liegt natürlich auch daran, dass wir viele, viele Arbeiterinnen und Arbeiter haben, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft haben und daher nicht mitwählen dürfen.
Salzer Rebekka (ORF):
Das passt auch zur Studie von Unique Research zum 1. Mai, die zeigt, dass nämlich nur noch ein Drittel der Wähler die SPÖ tatsächlich als Arbeiterpartei sieht, 57 Prozent sagen klar nein. Und besonders kritisch sind Ältere, also die über 60-Jährigen, die eine deutliche Ablehnung zeigen. Menschen zwischen 30 und 59 Jahren sind ebenfalls mehrheitlich skeptisch und FPÖ-Wähler stehen der SPÖ sehr, sehr stark negativ gegenüber. 84 Prozent dieser sagen, dass sie keine Arbeiterpartei mehr ist.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ich glaube, dass ein Teil davon ein Erfolg der Sozialdemokratie ist, nämlich indem es gelungen ist, über Jahrzehnten hinweg durch einen freien Zugang zur Bildung sowie durch die Möglichkeit für alle, Karriere zu machen. Viele der Kinder und Enkelkinder jener, die das früher nicht konnten, haben Karriere gemacht und sehen das als ihre eigene Leistung, was gut ist, aber sie erkennen nicht, dass die Schaffung des Systems bestimmte Voraussetzungen hatte. Und dann kommt es dazu, dass man sagt, na ja, wieso sollen da andere auch das machen? Und leider sind wir da in der Situation, dass unser eigener Erfolg uns das politische Leben schwerer gemacht hat.
Salzer Rebekka (ORF):
Aber macht es sich die SPÖ da nicht ein bisschen einfach? Man kann sich ja auch neu erfinden oder etwas weiterentwickeln, weil wir haben es auch im Beitrag gehört, diese Vergangenheit, die Sie da ansprechen, wird ja auch von vielen so gesehen, und auch zum Beispiel der Meinungsforscher Peter Hajek sagt, dass eine ehemals moderne und zukunftsorientierte Partei wie die SPÖ zu einem strukturkonservativen Wahlverein geworden sei. Wie sehr trifft Sie diese Einschätzung?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Wenn man verteidigt, dass Errungenschaften bestehen bleiben, zum Beispiel beim Pensionsantritt, oder die Möglichkeit, ohne Angst vor dem Altwerden, Krankwerden oder Kinderkriegen in der Gesellschaft zu leben, dann ist es ein Bewahren, und zwar deswegen, weil die Alternative amerikanische Verhältnisse sind, wo Menschen plötzlich nicht mehr wissen, ob sie sich Gesundheit noch leisten können, wo sie nicht wissen, wie es ihnen im Alter geht, und wo sie Angst haben müssen, einen Unfall zu haben, weil sie dann nicht mehr arbeiten können.
Wenn du das bewahrst, nämlich diesen Sozial- und Wohlfahrtsstaat, dann ist das zwar bewahrend, aber das als strukturkonservativ zu sehen, das verstehe ich überhaupt nicht. Das würde darauf hinauslaufen, dass man alles privatisieren will und es am Ende des Tages für die Menschen schwieriger macht.
Ja, das ist schwierig zu argumentieren, ich glaube trotzdem, dass wir uns dem stellen müssen, und wenn die Krisen mehr werden, glaube ich, dass Wählerinnen und Wähler zu der Erkenntnis kommen, dass sie sich vielleicht verwählt haben, zum Beispiel indem sie die FPÖ zur stärksten Partei bei der letzten Wahl gemacht haben.
Salzer Rebekka (ORF):
Okay, das ist jetzt etwas, das würden Sie sich natürlich wünschen, aber wie gesagt, die Umfragen sprechen nicht dafür.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ich halte die Leute nicht für so dumm. Wir haben jetzt erlebt in Ungarn, wir werden es möglicherweise in den USA erleben, wir haben es in Holland erlebt, dass die Menschen klüger sind, als so manche glauben, und dass Rattenfänger es alleine nicht schaffen, sie dauerhaft an der Nase herumzuführen. Und sobald sie erkennen, wer wirklich für ihre Interessen eintritt, wählen sie auch anders.
Sie machen das auch, wenn sie sich beim Telefon verwählt haben: Dann legen sie auf und wählen die richtige Nummer – und ich glaube, bei der Wahl könnte das auch passieren.
Salzer Rebekka (ORF):
Und ist Andreas Babler der richtige Mann dafür?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Er ist gewählter Vorsitzender und hat ein gutes Wahlergebnis gehabt beim Parteitag. Er bemüht sich wahnsinnig, sich für die Leute einzusetzen.
Salzer Rebekka (ORF):
Ein akzeptables Wahlergebnis.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Die Frage ist immer für alle Vorsitzenden, ob das entsprechend wirkt. Und das ist eine Frage, die letztlich die politische Entwicklung beantworten wird – wenn man in die Zukunft schauen könnte, wären wir keine Menschen, sondern Wahrsager.
Salzer Rebekka (ORF):
Apropos Wahrsagen: Die Spritpreisbremse wird jetzt mit Ende Mai endgültig auslaufen, also deutlich zurückgefahren. Gibt es dann noch eine weitere Verlängerung möglicherweise?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ja, auch das betrifft – ich habe meine Kristallkugel heute nicht geputzt –, das hängt sehr stark von der internationalen Situation ab. Wenn es zu einer weiteren Verknappung bei Treibstoffen kommt und damit zu Preisanstiegen, die die Wirtschaft gefährden oder es Pendlerinnen und Pendlern erschweren, zu ihrer Arbeit zu kommen, dann wird jede Regierung dieser Welt, und unsere auch, entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen.
Daher will ich auch da keine Prognose machen. Wenn die Preise zu stark ansteigen, müssen wir etwas tun, und ich glaube, das sind wir den Menschen schuldig. Daher gehe ich davon aus, dass die Regierung…
Salzer Rebekka (ORF):
Und was müsste sie dann tun, die Regierung?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ja die Spritpreisbremse hat ja gewirkt.
Salzer Rebekka (ORF):
Das heißt, wird sie noch verlängert?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ja, und unter Umständen auch auszubauen – das hängt von der Situation ab. Das kann man heute nicht sagen, aber die Preiseingriffe sind das Beste, was diese Regierung im Unterschied zu den letzten fünf Jahren der schwarz-grünen Regierung gemacht hat.
Wir sind auch bei der Inflation nicht mehr Spitzenreiter in Europa. Wenn man nichts tut, passiert nichts. Wenn man etwas tut – und seit einem Jahr setzt die Regierung Maßnahmen –, dann wirkt das auch. Und ich glaube, Wählerinnen und Wähler werden das irgendwann honorieren.
Salzer Rebekka (ORF):
Herr Matznetter, ich darf Ihnen ja auch gratulieren, Sie sind ja wieder in den Nationalrat eingezogen, zum fünften Mal – insgesamt seit 18 Jahren. Sie sind nachgerückt für Elke Hanel-Torsch, die jetzt Stadträtin in Wien geworden ist.
Allerdings haben Sie jetzt die Frauenquote im SPÖ-Klub gesenkt, und zwar von 41 auf 39 Prozent. Damit wird auch die Förderung geringer, um circa 160.000 Euro jährlich, also das sind drei Prozent der Klubförderung. Die SPÖ und vor allem Parteichef Babler pochen ja immer wieder auf die Frauenquote – mehr Frauen, mehr Frauen: Wie glaubwürdig ist denn das?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ich muss zuerst einmal eine tatsächliche Berichtigung vornehmen, wie man das im Parlament nennt: Ich bin 2002 das erste Mal angelobt worden.
Zur Quote selber: Ich bin stolz auf meine Landespartei Wien, die hat nämlich mehr Frauen als Männer im Nationalrat und erfüllt auch die Quote im Bundesrat. Also meine Landespartei, die mich entsendet hat, ist eine deutliche Übererfüllerin. Wir haben leider Bundesländer, wo das nicht so ist, die zum Beispiel nur Männer entsenden.
Salzer Rebekka (ORF):
Aber im Nationalrat auch nicht.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Na, im National- und Bundesrat, im Nationalrat haben wir mehr weibliche Abgeordnete aus Wien als Männer.
Salzer Rebekka (ORF):
Im Nationalrat sind 39 Prozent Frauen.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Nein, die Wiener Partei. Und es ist das Problem der Komplexität im föderalen System, dass Wien, auch wenn es die Frauenquote übererfüllt – und das tut es –, nicht alles zu jedem Zeitpunkt ausgleichen kann. Und das ist jetzt der Fall gewesen.
Ich war der Nächste nach Frau Hanel-Torsch auf der Landesliste. Die Landesliste und auch die Wahlkreise waren aber so gestaltet, dass jedenfalls mehr Frauen als Männer aus Wien im Nationalrat sind. Und das ist auch weiterhin der Fall.
Salzer Rebekka (ORF):
Jetzt ist es aber so: Andreas Babler ist Parteichef, dann haben wir einen Klubobmann, der ist männlich, und es gibt neun Landesparteivorsitzende – alle männlich.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Sie haben die höchste Funktion im Nationalrat, das ist die dritte Präsidentin Doris Bures. Sie war in Wien übrigens auch Spitzenkandidatin bei der Nationalratswahl. Das ist die höchste Funktion, die wir haben, und sie ist von einer Frau besetzt.
Salzer Rebekka (ORF):
Nochmal, also der Parteichef ist ein Mann. Es gibt seit Babler sechs neue Landesparteichefs, allesamt männlich. Also – und Sie hätten zum Beispiel jetzt, wenn man sagt, man geht in Richtung Zukunft und stärkt Frauen, ja auch auf ein Mandat verzichten können. Wäre das keine Option gewesen?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Iich komme noch einmal zurück auf die Wiener Landespartei – sie bemüht sich wirklich. Ich glaube auch, dass der Beitrag dazu, dass wir die Quote wieder übererfüllen werden, aus Wien kommen wird und nicht aus den anderen Bundesländern, und dieses Bemühen werden wir in Wien weiter haben.
Aber es kann nicht sein, dass diejenigen, die am meisten dazu tun, auch diejenigen sind, die sozusagen die Last tragen müssen. Also die Quote muss von allen gemeinsam berücksichtigt werden, und daher wird es viel Überzeugungsarbeit in den Bundesländern brauchen.
Und wie gesagt: Das höchste Amt, das wir im Parlament haben, ist von einer Frau besetzt. Wir hatten eine Bundesparteivorsitzende, Frau Doktor Rendi-Wagner, jetzt haben wir einen Mann, aber ich war froh, dass wir einmal eine Frau als Parteivorsitzende hatten. Denn wer weiß, was die Zukunft bringt und was die nächsten Jahrzehnte bringen werden?
Salzer Rebekka (ORF):
Das heißt, nur ganz kurz gefragt: Sie finden es also richtig, dass Sie jetzt wieder im Nationalrat sind?
Matznetter Christoph (SPÖ):
Ich hoffe, dass ich einen guten Beitrag leisten kann. Ich habe mich auch bisher über die letzten Jahrzehnte hinweg sehr bemüht. Ich bin gerne Volksvertreter, ich mache das auch mit vollem Einsatz und solange es mir gut geht, mache ich das auch gerne. Und ich freue mich, wenn jetzt die Quote wieder eingehalten werden kann, vermute aber, dass es wieder meine Landespartei sein wird und nicht die anderen.
Salzer Rebekka (ORF):
Herr Matznetter, vielen Dank für das Gespräch.
Matznetter Christoph (SPÖ):
Vielen Dank Ihnen und einen schönen Sonntag.
Erwähnungen in weiteren Medien
Online

Auftraggeber: HEUTE
Methode: Online-Befragung
Zielgruppe: Wahlberechtigte ÖsterreicherInnen
Stichprobengröße: 500 Befragte
Maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse: +/- 4,4%
Feldarbeit: 27. bis 29. April 2026




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